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Vitamin B: Ihr Netzwerk aktivieren — ohne peinlich zu sein

Ein grosser Teil der Stellen wird vergeben, bevor ein Inserat erscheint — über Empfehlungen, Zuruf und Kontakte. Netzwerken fühlt sich für viele unangenehm an, dabei ist es keine Bettelei: Sie bitten nicht um einen Job, sondern um Information. Mit den richtigen Formulierungen wird aus «peinlich» ganz normal.

Die richtige Haltung: um Rat fragen, nicht um einen Job

Der häufigste Fehler: direkt fragen «Hast du einen Job für mich?». Das setzt das Gegenüber unter Druck und endet fast immer mit einem verlegenen Nein. Besser: Sie bitten um Einschätzung, Information oder einen Hinweis — das kann fast jeder geben, und es öffnet Türen.

  • Fragen Sie nach dem Markt: «Wie erlebst du die Lage in eurer Branche gerade?»
  • Fragen Sie nach Personen: «Kennst du jemanden, mit dem ich mich mal austauschen könnte?»
  • Fragen Sie nach Firmen: «Welche Firmen in der Region würdest du dir anschauen an meiner Stelle?»
  • Machen Sie es dem Gegenüber leicht: Ein Satz dazu, was Sie suchen und was Sie können — so kann man Sie überhaupt weiterempfehlen.

Nachrichten-Vorlagen: zum Anpassen und Abschicken

An eine ehemalige Arbeitskollegin (WhatsApp/SMS): «Hallo Sandra, lange nicht gehört — ich hoffe, es läuft gut bei euch! Kurz zu mir: Ich orientiere mich beruflich neu und suche eine Stelle im Bereich Administration, 60–80 %. Falls du etwas hörst oder jemanden kennst, der jemanden kennt: Ich wäre froh um einen Hinweis. Und unabhängig davon: Wollen wir mal wieder einen Kaffee trinken?»

An einen entfernteren Kontakt (LinkedIn): «Guten Tag Herr Meier, wir haben uns vor zwei Jahren am Branchenanlass in Bern kennengelernt. Ich orientiere mich aktuell neu Richtung Projektleitung im Bausektor und wäre froh um Ihre Einschätzung: Welche Firmen sind aus Ihrer Sicht gerade spannend? Für 15 Minuten am Telefon wäre ich sehr dankbar.»

Die Antwort auf «Ich schaue mal» — nach zwei bis drei Wochen nachfassen: «Hallo Sandra, danke nochmals fürs Ohr neulich! Kleines Update: Ich habe mich inzwischen bei X und Y beworben. Falls dir noch jemand eingefallen ist — ich bin weiterhin auf der Suche.» Freundlich, ohne Druck, hält Sie im Gedächtnis.

Ergibt sich aus einem Kontakt ein konkreter Firmenname, folgt daraus oft eine Spontanbewerbung — mit dem Satz «Frau X hat mir empfohlen, mich bei Ihnen zu melden» als stärkstem Türöffner, den es gibt.

System statt Zufall: Netzwerken planbar machen

  1. Liste erstellen: Ehemalige Vorgesetzte, Kolleginnen, Kunden, Lieferanten, Vereinskollegen, Nachbarn, Eltern aus dem Schulumfeld — schreiben Sie 30–50 Namen auf. Es sind mehr, als Sie denken.
  2. Priorisieren: Wer arbeitet in Ihrer Zielbranche oder kennt viele Leute? Diese Kontakte zuerst.
  3. Wöchentliches Ziel setzen: z. B. drei Kontakte pro Woche anschreiben oder anrufen. Kleine, regelmässige Schritte schlagen die einmalige Grossaktion.
  4. Nachhalten: Notieren Sie, wen Sie wann kontaktiert haben und was vereinbart wurde — zum Beispiel direkt im Bewerbungs-Tracker, wo auch Ihre Bewerbungen liegen.

Fürs RAV gilt: Als Arbeitsbemühungen zählen in der Regel konkrete Bewerbungen und dokumentierte Blindbewerbungen — ein Kaffee mit einem Bekannten allein genügt nicht. Aber aus gutem Netzwerken entstehen genau die Bewerbungen, die Sie dort eintragen können.

Häufige Fragen

Ist es nicht unfair, Stellen über Beziehungen zu bekommen?

Eine Empfehlung ersetzt keine Qualifikation — sie verschafft Ihnen nur die Chance, sich zu zeigen. Firmen schätzen Empfehlungen, weil sie das Risiko einer Fehlbesetzung senken. Sie dürfen dieses Spiel selbstbewusst mitspielen.

Was, wenn ich niemanden in meiner Zielbranche kenne?

Dann arbeiten Sie über zwei Ecken: Fragen Sie Ihre Kontakte, wen sie kennen. Zusätzlich helfen Branchenanlässe, Vereine, Weiterbildungen und LinkedIn-Gruppen, um neue Kontakte in der Zielbranche aufzubauen.

Soll ich erzählen, dass ich arbeitslos bin?

Sie müssen nicht mit der Tür ins Haus fallen, aber verstecken bringt nichts. Eine neutrale Formulierung wie «Ich orientiere mich beruflich neu» genügt — die meisten Menschen helfen gerne, wenn man sie konkret fragt.

Wie oft darf ich nachfassen, ohne zu nerven?

Einmal nachfassen nach zwei bis drei Wochen ist völlig normal. Danach halten Sie den Kontakt mit gelegentlichen Updates warm, statt erneut um Hilfe zu bitten — zum Beispiel, wenn Sie eine Stelle gefunden haben: Ein Dankeschön bleibt in bester Erinnerung.

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